Da ich hier unten ungefähr 8 Monate hauptsächlich zur
Uni gehe, ist es mindestens 1 Kapitel wert darüber zu schreiben.
Die Monash Uni gehört zu den „Großen 8“
in Australien und hat über 40000 Studenten (was bei der australischen
Einwohnerzahl beträchtlich ist!). In Melbourne selbst gibt
es drei oder vier Campus. Ich fahre täglich zum Clayton Campus
im Südosten der Stadt, denn dort ist das APPI ansässig
(APPI= Australian Pulp and Paper Institute). Der Campus ist bestimmt
doppelt so groß als der Dresdner und auf alle Fälle
viel, viel grüner. Überall Eukalyptusbäume und
Sträucher und Kakteen und allerlei exotische Pflanzen.. Um
weitere anschauliche Vergleiche zu ziehen, lohnt es sich den durchschnittlichen
Studenten zu beschreiben: um die 20, asiatischer Abstammung und
arbeitsam. Herkunftsbedingt haben die meisten ein sehr anstrengendes
Sing- Sang Englisch und plappern grundsätzlich laut (im Bus,
am Handy, mit Freund/Freundin, hinter oder vor einem). Nächster
wichtiger Punkt ist das Styling: normalerweise geht man hier „casual“
zur Uni, also Jeans und T-Shirt sind völlig ausreichend.
Je jünger der Student und je dicker der Geldbeutel der Eltern
oder anderen Geldgebern, desto aufgetakelter kommen sie daher.
Am lustigsten ist es, wenn es warm ist, denn zur Zeit sind irgendwelche
ausgewaschenen Kartoffelsäcke in und diese werden bei Sonnenschein
in Kombination mit Pumps getragen. Wandelnde Kartoffelsäcke
also… Dann unterteilt sich die Studentenschaft in zwei weitere
Kategorien: der part- time student und der full- time student.
Part time bedeutet, wenn man wieder genug Geld zusammen hat, kann
man sich für den nächsten Kurs einschreiben und hoffen,
dass der Arbeitgeber einem frei gibt. Full time Studenten dagegen
sind für den Master zwei weitere Jahre an der Uni und absolvieren
die Kurse plus einer Thesis- Arbeit. Der Master am APPI kostet
gut 23.000 Dollar.
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Hat man irgendwie das
Geld zusammen, oder man hat das Glück, und die Firma
bezahlt einem die Studiengebühren, oder wie in meinem
Fall, einen exchange Vertrag, dann fangen Ende Februar die
Vorlesungen an und dauern bis in den Oktober, offiziell
bis 16. November, danach ist große Sommerpause.
Ein ganzer normaler Uni-Tag beginnt für mich 6 Uhr
früh, denn gegen 7 verlasse ich das Haus mit dem Fahrrad
und kurve ungefähr 15 min zur Busstation. Von dort
fährt ein Express- Bus zur Uni, der braucht ungefähr
eine halbe Stunde. Mein morgendlicher Weg zum APPI übers
Campusgelände wird begleitet von lautem Vogelgezwitscher
und mildem Sonnenschein. Im Campus Centre wird der einzige
schon geöffnete Coffeshop belagert. Der Cafe hier ist
nicht zu vergleichen mit dem herkömlichen Mensa Cafe.
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Bohnen werden jedes Mal frisch gemahlen und die Milch heiß
aufgeschäumt und auf Wunsch gibt es noch süßen flavour
dazu!
Im APPI habe ich meist noch Zeit Emails zu checken oder mir irgendwas
auszudrucken. Gegen 9 Uhr fängt dann die Vorlesung an oder
das Seminar. Ein Seminar bedeutet für die Studenten meist
mehr Arbeit, denn wir müssen dann am Ende der Woche selbst
eine Präsentation halten. Ansonsten wechseln die Vorlesenden
im Tagesrhythmus, was es einem erleichtert, sich an verschieden
Akzente im Englischen zu gewöhnen. Manche Vorlesende kommen
nur den einen Tag für ein spezielles Thema, andere haben
viel Erfahrung auf einem Gebiet. Neben Gil (Institutsleiter) sind
noch weitere 4 Doktoren für die Vorlesung zuständig.
In den letzten 3 Jahren hat Friedrich (kommt von der Darmstädter
Uni) seine Doktorarbeit geschrieben. Wenn wir Praktikum haben,
kommen meist PhD Studenten als Praktikumsbetreuer.
Es ist also immer viel los am APPI, die Leute sind nett und zuvorkommend
und haben keine Probleme damit es anzuerkennen, wenn jemand Leistung
zeigt oder ihnen was voraus hat.
Gegen 17 Uhr sind die Vorlesungen vorbei oder ich bin mit meiner
Arbeit am PC fertig. Also gilt es den Bus zu „catchen“
und zu hoffen, das der Verkehr heute Gnade mit einem zeigt und
man vor 18 Uhr seinen Drahtesel besteigen kann und gemütlich
nach Hause fahren kann. Für alle Papiertechnikstudenten hier
noch ein paar Details über das APPI. Das APPI ist neben Klimaraum,
Chemielabor und Prüflabor mit zwei großen Nasslaboren
ziemlich gut ausgestattet. Es gibt große Bütten, Hydrozyklone,
Nasspressen, Kalander, einen „Brecht-Holl Fibre Classifier“,
eine große Labor Flotationszelle, natürlich einen Labor
Refiner, einen Valley Beater,…(Aufzählung unvollständig!).
Was es nicht gibt, ist eine vernünftiger Blattbildner, Trockner
und Verteilgeräte. Als ich zum ersten Mal Prüfblätter
angefertigt habe, konnte ich es kaum glauben, es kam mir alles
sehr unpraktisch und umständlich vor. Wen es interessiert,
kann man im S. Heinemann- Skript nachgucken unter „konventionelle“
Blattbildungsmethode.
Da es keinen Verteiler gibt, wird der Stoff mit einem Küchenmixer
oder mit dem Desintegrator kurz durchgemixt. Die Blätter
werden im British Handsheetformer gebildet. Der Durchmesser ist
nur 15 cm. Auf das Faservlies auf dem Sieb des Blattbildners werden
zwei Pappen gelegt, dann wird mit einer 13 kg (!!) schweren Walze
gegautscht. Das Faservlies bleibt jetzt natürlich an der
Papper hängen. Man nimmt diese Pappe, legt sie mit einer
Metallplatte zwischen zwei Pressfliesen und lässt sie durch
eine Presse laufen. Im Idealfall legt sich das Faservlies auf
die Metallplatte während des Pressvorgangs. Die Metallplatte
wird mit dem Blatt in die Ringe gelegt und das nächste Blatt,
bzw. die nächste Platte darüber gestapelt. Die Blätter
werden im Klimaraum luftgetrocknet! Die ganze Methode war wirklich
gewöhnungsbedürftig! Aber wie heißt es so schön
Übung macht den Meister, und ich glaub, ich bin ganz gut
im Blätterbilden..
Der Nachteil liegt klar auf der Hand: man kann die Einwaage nicht
genau bestimmen, da man nicht 24 h auf ein trockenes Blatt warten
kann. Bei der unerfahrenen Studentenschaft führt das dazu,
dass die Blätter nie die richtige Masse haben, meist sind
sie zu leicht. Das ist schlecht fürs ausprüfen. Der
Vorteil dieser Methode ist wohl das einseitig behinderte Trocknen,
d.h. die Blätter schrumpfen nicht.
Es macht viel Spaß mal was anderes zu sehen, und vor allen
Dingen andere Arbeitsweisen zu erfahren. Grundsätzlich geht
alles relaxter zu. Wenn bei einem Experiment etwas schief geht,
ist es einfach nicht so schlimm, machen wir es eben noch mal. Niemand
guckt auf die Uhr, niemand beschwert sich. Es wird eher der nächste
Witz gerissen. Das ist wirklich großartig. Anne