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Exkursionen
mit dem APPI - von Anne
Dieses Kapitel dürfte vor allen Dingen
für die Papieringenieure und solche, die es mal werden wollen,
interessant sein. Da wir hier unten intensiv in die australische
Papierindustrie involviert sind, gibt es in den nächsten
Zeilen ein paar Daten und Fakten zu Zellstoff- und Papierfabriken
in Australien.
Insgesamt gibt es 21 Standorte in Australien, an denen eine Zellstoff-
oder Papierfabrik, oder beides stehen (in Neuseeland sind es 6
Standorte). Insgesamt werden 3,049 Mio Tonnen „Paper &
Board“ und 1,214 Mio. Tonnen Zellstoff produziert, wobei
im Gegensatz zu Neuseeland der gesamte Zellstoff Inlands verbraucht
wird und zusätzlich ein erheblicher Teil importiert wird.
Australien ist also ein Netto-Importeur. Die Anteile an verschiedenen
Rohstoffen setzen sich wie folgt zusammen:
- 50 % des Bedarfs an Fasern wird durch Sekundärfasern gedeckt
- Bei Verpackungspapieren sind es 90 % Sekundärfaseranteil
- Der Rest sind „mechanical, semi-chemical und chemical
pulps“
Der Pro-Kopf Verbrauch beläuft sich auf 202 kg pro Jahr.
Etwa 35 % werden an „Printing & Writing“- Papieren
verbraucht, etwa 41 % fallen den Verpackungspapieren zu und 18
% des verbrauchten Papiers sind „Newsprint“ und der
Rest fällt in den Bereich Tissue. Insgesamt sind 5900 Mitarbeiter
in der australischen Papierindustrie angestellt. (Quelle: APPITA,
Guide to the Australien and New Zealand pulp and paper industry,
August 2005).
Mit dem APPI hatte ich nun das Vergnügen, bereits zwei Zellstofffabriken
und eine Newsprint- Mill zu besichtigen. Das waren „Australien
Paper- Maryvale“, ca. zwei Stunden Autofahrt östlich
von Melbourne, „Norske Skog- Albury“ ca. 300 km nördlich
von Melbourne und „Visy Pulp and Paper- Tumut“, ca.
600 km nördlich von Melbourne.
Australien Paper- Maryvale
Diese Fabrik ist Australiens größter Standort und hat
nach eigenen Angaben die weltweit größte Energie- Rückgewinnungsanlage.
Sie war jedenfalls mit Abstand die größte Fabrik, die
ich bisher gesehen hatte.
Die Zellstofffabrik produziert 440000 Jahrestonnen Primärfasern
auf drei Zellstofflinien und produziert mit zusätzlichen
100000 Jahrestonnen Recyclefasern. Auf den 5 Papiermaschinen werden
am Standort 540000 t Papier und Karton gefertigt. Die Produkte
sind: Papiere/ Karton für den Verpackungsbereich und den
Lebensmittelsektor (Sackpapiere, Papiere für Fast- Food-
Ketten), Feinpapier (Kopierpapier, massegefärbtes Papier)
und Sicherheitspapiere, sowie Kraft- und Testliner.
Es werden Eukalyptus zu 35 % aus Plantagen und Kiefer zu 70 %
aus Plantagenbau (der Rest aus natürlichen Wäldern!!)
in drei verschiedenen Zellstofflinien verarbeitet.
Im NSSC- Verfahren (NSSC= Neutral Sulfite Semi Chemical) wird
vor allem Eukalyptus verarbeitet, der sich durch seine Beschaffenheit
besonders für dieses Verfahren eignet. Die Fasern in einem
NSSC- Pulp sind besonders flexibel und bestens geeignet für
Verpackungspapiere. Verpackungskartons aus diesem Stoff zeigen
außerdem deutliche bessere Festigkeitseigenschaften (crush
test etc.).
In Maryvale werden in einem 100 m3 kontinuierlichen Kocher Eukalyptus-
Chips ca. 2h unter neutralen bis leicht alkalischen Bedingungen
gekocht und danach gemahlen. Bei diesem Verfahren gibt es ebenfalls
eine Chemikalienrückgewinnung sowie eine Verbrennung des
„black liquor“. Die Energierückgewinnung wird
gemeinsam mit der kontinuierlichen Sulfatzellstofflinie betrieben.
In der kontinuierlichen Sulfatzellstofflinie werden Kieferhackschnitzel
in einem 100 m3 Kocher verarbeitet. In der dritten Zellstofflinie
werden in weiteren 8 (!) 80 m3 Kochern im Batch-Verfahren etwa
noch einmal die gleiche Menge an Eukalyptus-Sulfat-Kraftzellstoff
hergestellt.
Als wir Studenten vom APPI die Mill besucht haben, reichte der
Tag gerade mal zur Besichtigung der Zellstofflinien und Bleiche,
was ich persönlich schade fand, denn ich hätte mich
auch für die fünf Papiermaschinen begeistern können
?!
Ich möchte hier nicht mit allzu vielen Fakten zu den Verfahren
langweilen, aber da die Studenten nach der Exkursion alle einen
ausführlichen Bericht anfertigen mussten, kann ich bei Bedarf
gern mit mehr Details aufwarten! Schreibt mir einfach wenn ihr
Fragen habt…
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Anlage in Maryvale. Im Hintergrund die Schornsteine der weltgrößten
Recovery. |

Außenlagerung (!!) vom NSSC Pulp |
Norske Skog-Albury (Sebastian,
du kannst mich gern berichten, wenn ich hier Blödsinn erzähle)
In Albury werden 265000 Jahrestonnen an Newsprint in verschiedenen
Basisgewichten (42- 48 g/m2) auf der Basis von TMP und Recyclefasern
hergestellt. Die Fabrik wurde Ende der 70iger Jahre für eine
Jahresproduktion von 180 000 Tonnen mit 100 % TMP gebaut und erfuhr
in den 90iger Jahren eine Investition zu Steigerung der Kapazität
und Maschinengeschwindigkeit. In diesem Zeitraum wurde auch die Recycle-Anlage
installiert und man produziert heute 135000 Tonnen DIP- Stoff, von
dem ein Teil nach Tasmanien gesendet wird. Es lohnt sich für
den Konzern eher, den DIP Stoff mit 50 % Trockengehalt durch Australien
zu transportieren, als in Tasmanien eine DIP- Anlage zu installieren.
Ich denke, dass liegt wohl eindeutig an der Infrastruktur. Das Recycle-Aufkommen
in Tasmanien ist einfach nicht hoch genug, dass es sich lohnen würde,
eine neue DIP- Anlage zu installieren.
In Albury wurden wir am ersten Nachmittag von Kate und ihrem Kollegen
empfangen, beide Prozessingenieure, und durch die DIP- Anlage geführt.
Vorher bekamen wir alle ein flow- sheet und sind dieses erstmal theoretisch
durchgegangen. Die Anlage ist schön übersichtlich gehalten
und im Großen und Ganzen nichts Besonderes: einen Batch- Pulper
(durch drei große Stapelbütten wird der Prozess danach
kontinuierlich weitergeführt), Reinigung, zweistufige Flotation,
Sortierung, Feinsortierung, zweistufige Nachflotation, Eindickung,
keine Bleiche. Zur Reinigung des Kreislaufwassers wird eine Entspannungsflotation
eingesetzt und die Fabrik hat mit ca. 80 umliegenden Farmern ein Abkommen
zur Verwertung des anfallenden Klärschlamms. Das ist zumindest
die erste Fabrik die ich gesehen habe, in der das immer theoretisch
zitierte „Verwertung in der Agrarwirtschaft“ auch praktiziert
wird!
Der größere Bestandteil der Produktion basiert auf der
TMP- Herstellung. In der TMP-Anlage werden auf 4 parallelen zweistufigen
Refinerlinien und zusätzlichen 2 parallelen LC-Refinern hauptsächlich
Kiefer- Hackschnitzel verarbeitet. Die Refiner allein verbrauchen
ungefähr 80 MW, aber die Energiekosten sind (noch) nicht das
Problem in Australien. Speziell die Fabrik in Albury kämpft zur
Zeit mit der extremen Wasserknappheit im Land. Durch ein Wasserspargesetz
sind die genauen Verbräuche vorgeschrieben, und sollten sich
die umliegenden Dämme durch Regenfälle nicht wieder bis
zu einem bestimmten Zeitpunkt weiter gefüllt haben, drohen Restriktionen,
dass die Fabrik eigentlich schließen muss. Man überlegt
wohl zur Zeit die DIP- Anlage herunterzufahren, und mit 100 % TMP
zu produzieren. Die Recyclefasern wurden eigentlich aus Image- Gründen
eingeführt, aber verhindern jetzt die weitere Schließung
der Wasserkreisläufe, weil mit dem Altpapier eingebrachten Substanzen
(Salze) sich vermehrt anreichern und Probleme verursachen. Ohne DIP-
Anlage kann man den wohl zur Zeit ohnehin schon niedrigen Wasserverbrauch
(8 l/kg produziertes Papier) noch weiter senken.
Insgesamt hat mir diese Papierfabrik ziemlich gut gefallen und die
Besichtigung durch uns Studenten war seitens des Werks gut vorbereitet
gewesen (das war in allen anderen besichtigten Werken leider nicht
der Fall!). |
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Die Studentengruppe vor dem Werkstor in Albury.
Man beachte die unglaubliche Größe der australischen
Studenten Konkurenz... |
Visy Pulp and
Paper-Tumut
Zum erneuten Mal kam ich in den Genuss, eine der modernsten Sulfatkraftfabriken
mit Kraftlinerproduktion zu besichtigen. Eingebettet in die hügelige
Landschaft der „Snowy Mountains“ in New South Wales,
gibt es wohl auch keinen landschaftlich attraktiveren Produktionsort!
Die Fabrik wurde Ende November 2001 fertig gestellt und produziert
momentan um die 240000 Tonnen Zellstoff im Sulfatverfahren. Die
Energie und Wasserbilanz in dieser Mill ist dank modernster Technik
sehr positiv. In der Verbrennungsanlage wird nicht nur die „Schwarzlauge“
verbrannt, sondern auch sämtliche Holzreste der Zellstoffherstellung
selbst und zusätzliche Abfälle aus umliegenden Sägereien.
Dadurch gelingt es, nicht nur Prozessdampf für den Papierherstellungsprozess
zu produzieren sondern natürlich auch eine 25 MW starke Turbine
anzutreiben und etwa 20 % „Überschuss“ an elektrischer
Energie ins Netz einzuspeisen. Das Verdampfungssystem der Kochlaugeeindampfung
ist so ausgelegt, dass die Kondensate der 2.- 5. Verdampfungsstufe
gereinigt werden können und als Prozesswasser sogar an der
Papiermaschine eingesetzt werden. Die Fabrik hat annähernd
den „zero-effluent“ Status, wobei 5,3 t Wasser/ t Papier
verbraucht werden und ca. 1 Mio Liter über die Kühltürme
verloren gehen. Außerdem gibt es keine aufwendige Bleichsequenz,
was den Wasserverbrauch steigern würde. Zur „Angleichung“
der optischen Eigenschaft bedient man sich einer Sauerstoffbehandlung.
Neben der Zellstofflinie gibt es eine bescheiden kleine Recyclefaserlinie,
da in der Toplage bis zu 15 % und in der Rücklage bis zu 30
% undeinktes Altpapier bei Sorten höherer Grammatur (bis 300
g/m2) eingesetzt werden. Generell ist die Maschine für höhere
Grammaturen ausgelegt, aber auch in Australien ist der Trend zu
leichteren Papieren angekommen und man überlegt auch in Tumut
über mögliche Optimierungsstrategien.
Im Jahr 2009 soll in Tumut eine komplett neue, zweite Faserlinie
für Sulfatzellstoff und neuer Papiermaschine stehen. Dann wird
die Produktion deutlich mehr als verdoppelt und das kleine Städtchen
Tumut wird dann wohl endgültig aus seinem Dornröschen-
Schlaf aufwachen, denn zum Bau der neue Anlage werden mindestens
250 Arbeitsplätze (kurzweilig) geschaffen, von denen dann ca.
50 dauerhaft bestehen bleiben. Und da Tumut ein 6000- Seelen Städtchen
ist, werden sicherlich viele Operator und Ingenieure von Melbourne,
Sydney, weltweit (…?) mitsamt Familie hinzuziehen müssen.
Bei unserem Besuch in Tumut war das Wetter wie immer kalt aber traumhaft
schön sonnig, wie ihr auf den folgenden Bildern sehen könnt.
Und wie gesagt, ich gebe gern über weitere technische Details
Auskunft, schreibt einfach!
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Das Städtchen Tumut in den Snowy Mountains |

Die Landschaft um Tumut. |

v.l.n.r.: Dr. Warren Bachelor, Jia Jia Gan, Jose Melendez, Nalin Marakkala
Manage. |

...und damit Anne auch mal zu sehen ist...
Vor der Visy VPP 9
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Visy:
we make paper for a better world... ;-)
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